1968:
geboren in Graz

1989-1996:
Studium der Malerei
bei Prof. Arnulf Rainer
an der Akademie
der bildenden Künste
in Wien

lebt und arbeitet in Wien

ZUM BILDBEGRIFF MEINER ARBEIT

Vielleicht bin ich gar kein Maler und thematisiere die Malerei als eigensinnige Sprachform, die einen anderen Code als den einmal vereinbarten aufweist. Vielleicht bin ich sogar so hinterhältig und überlasse es dem Betrachter, in welche Sparte er mich einordnen will. Jedenfalls arbeite ich konsequent an der permanenten Weiterentwicklung von künstlerischen Formatierungen. Sie beziehen sich vorwiegend auf wesentliche und grundsätzliche Elemente des Malerischen: auf das Bildthema, den Bildträger, auf die räumliche Dimension der Bildfläche.

Als Bildträger werden Polycarbonat-Platten und vereinzelt Acrylglas verwendet; die Malmittel sind Selbstklebefolien, Polystyrol-Spiegelplatten, Filament-Bänder und Lackstifte; die Farben bewegen sich innerhalb der Standards der verwendeten Produkte.

Was mir wichtig erscheint, ist das Vordringen mit konventionellen Mitteln in den virtuellen Raum. Das Design von Hologrammen, Leiterplatten, Bildschirmoberflächen etc. mit seiner schichtförmigen Räumlichkeit, die als mögliche Übersetzung in den Gestaltungsmodus einfließt und ausschließlich als einfache rezipierende Wahrnehmung von außen auf meine Arbeit projiziert wird.

Eher, dennoch unscharf, könnte die Herausforderung dort liegen, Farbwerte vorwiegend als Materialwerte, Formen vorwiegend als lineare, bewusst gebrochene Abfolgen von Zeitrastern, von in die Fläche projizierten horizontalen und vertikalen Raumkoordinaten auf einem radikal erneuerten ästhetischen Standard zu erkennen, so einen Informations- und Bewegungsfluss in den Bildern oder Objekten in den malerischen, schichtweise räumlich entwickelten Strukturen nicht zu illustrieren, sondern zu thematisieren. Abseits eines konkreten Verweises auf eine spezifische Logokultur wären Merkmale dieser Ästhetik als Zeitmarkierung also in den malerisch-skulpturalen Objekten vorhanden. Das heißt, dass malerische Elemente konzeptuell und anschaulich neu konfiguriert werden und als Teil eines sinnlich erfahrbaren Reflexionsprozesses über mehrere signifikante Größen - eben Raum und Zeit - durch neue technische Medien bestimmte Wahrnehmungsprozesse bedingt werden.

Um dem philosophischen Hinter- bzw. Vordergrund Schärfe zu verleihen, bietet sich nun folgende Analyse an: In diesem ständigen Auf- und Abbau gibt es keine kataklystische Explosion, sondern eine sich hinziehende Spur mit deren notwendigen Unterbrechungen und Verstärkung der Linearität. Diese Spur als segmenthaftes Teil betrachtet, wird durch die Vollendung im Unendlichen bestimmt, und nicht das "zur Vollendung" gebrachte. Nach Jean-Luc Nancy ist Kunst also durch die Unvollendung gekennzeichnet, als Überrest, für meine Arbeit als segmenthaftes Teil beschreibbar: "Was Überrest ist, hat kein substanzhaftes Wesen - und wahrscheinlich führt uns gerade das auf die Spur des Wesens der Kunst. Dass die Kunst heute ihr eigener Überrest ist, eben dies eröffnet uns einen Zugang zu ihr. Sie ist weder degenerierte Darstellung einer Idee noch die Darstellung einer degenerierten Idee, sie bietet vielmehr dar, was eben nicht Idee ist: Auftauchen, Bewegung, Verweilen und Schwinden des je Gegenwärtig Werdenden".

So gibt es auch kein "Ende" im Sinne einer eindeutigen Auflösung, der wiederum ein Anfang gegenübersteht. Also gibt es kein "Ein für allemal", sondern nur die Räumlichkeit aller "Einmals". So stellt dieses Werk diese Endlichkeit, eingebettet in die Struktur der Unendlichkeit, als Ereignislosigkeit "reiner Zeit" dar. Und dies ermöglicht die Wahrnehmung meiner Tableaus im Pendeln des Blickes zwischen Fortschreiten und Neubeginn. Bestimmt durch einen Rhythmus, einen sich individuell verändernden Rhythmus, bestehend aus Sequenz und Synkope, Bewegung und Innehalten, Linie und Lücke, Fließen und Stocken. Das Bild gewinnt erst im Rhythmus des Blickes Kontur und Raum.


Peter Dunkl, Mai 2009